• Jessica Graves

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Aktualisiert: Okt 9




Hallo zusammen,

heute gebe ich mein erstes (und vielleicht einziges) Statement dazu ab, wie ich zu den Randgruppen stehe, die von anderen ausgegrenzt werden bzw. sich ausgegrenzt fühlen. Mit dem aktuellen GayPrideMonth und zusätzlich der BlackLivesMatter Bewegung scheint das mal nötig zu sein, zumal ich diese Dinge mehr oder weniger auch in meinen Geschichten thematisiere.

Die Transgender-Thematik, der GayPrideMonth und BlackLivesMatter sind ernste Themen, die jedes für sich schon einen separaten Blogeintrag verdienen. Und ich möchte sie weder priorisieren noch gegeneinander vergleichen.

Doch sie alle drei haben eine Gemeinsamkeit: Es geht um Gruppen, die ungerecht behandelt werden. Deshalb habe ich es heute zusammengefasst und möchte hiermit verkünden:


Ich liebe euch. Es ist mir vollkommen egal, ob ihr schwarz, weiß oder grün seid. Ob ihr große Augen habt oder eher kleine. Großes Kinn, kleiner Mund, wen interessierts? Schwerer oder leichter als Heidi Klum? Na und?

Es ist mir egal, wen ihr küsst, solange es im gegenseitigen Einvernehmen ist.

Es ist mir egal, mit wem ihr schlafen wollt, solange ihr euch dabei an das Jugendschutzgesetz haltet, keine Tiere benutzt oder sonst ein Gesetz verletzt.

Mir ist egal, in welchem Körper ihr euch wohler fühlt - Ihr seid eure eigenen Helden und ich wünsche euch, dass ihr euer Leben und euren Körper nach euren Vorstellungen gestalten könnt.


Ich selbst bin das, was man vermutlich als privilegiert bezeichnen kann. Ich bin weiß, blond, blauäugig, komme aus einer mittelständigen Familie in Deutschland und habe eine sehr gute Schulbildung genossen.

Meine einzige 'Schwäche' ist, dass ich eine Frau bin. Und obwohl ich der Meinung bin, dass auch da in der Gleichstellung noch lang kein Ende erreicht ist, ist mir doch sehr wohl bewusst, dass andere Menschen einen schlechteren Start in ihr Leben hatten.


Selbst, wenn ich so 'privilegiert' bin, verschließe ich nicht die Augen.

Als ich 14 war, traf ich in einem Ferienlager einen Jungen, dessen Mutter deutsch und dessen Vater kubanischer Herrkunft war. Er war sehr hübsch, mit seinen schwarzen Locken, der karamellfarbenen Haut und den großen braunen Augen. Und er war eigentlich eine Sie, im falschen Körper. Sie wusste das schon sehr früh, sie hatte es mir damals erzählt. Ihre Eltern hatten angefangen, mit ihr die Arztbesuche zu machen, sie zum Therapeuten zu schicken und ihr männliche Hormone zu geben. Sie hat gelitten, weil man sie nicht so sein ließ, wie sie war. Weil man glaubte, dass sie verwirrt sei und dass man der männlichen Seite in ihr nur noch ein wenig mehr nachhelfen musste. Ich weiß noch, wie sich das bei mir eingebrannt hat. Weil ich tiefes Mitgefühl empfunden habe.

Mittlerweile ist es ihr gelungen, ihr Leben so zu leben, wie sie das wollte. Sie konnte ihre Eltern nicht überzeugen, aber sie machte sich früh aus ihren Einflüssen frei und begann, ihr Leben selbstbestimmt zu leben. Ich bin unheimlich stolz auf sie, weil sie trotz aller Widerstände nie den Mut verloren hatte.


Als ich 18 war, traf ich eine sehr intelligente Frau in meinem Alter, deren Leben mich für immer veränderte. Wir verstanden uns auf Anhieb, unterhielten uns stundenlang, sogar Nächte hindurch, erlebten eine Menge tiefsinniges Zeug, auch im esoterischen Sinne... und irgendwann entdeckte ich, dass ich bisexuell war.


Als ich 20 war, ging ich nach Frankreich, um ein halbes Jahr lang dort zu arbeiten, bevor ich studierte. Ich traf eine Frau aus Neuseeland, die den gleichen Plan hatte. Ihre Vorfahren kamen aus Indien und Sri Langa und das Einzige, weshalb mich das interessierte, war, weil sie durch ihre Familie den Buddhismus schon früh gelebt hatte und ich eben begonnen hatte, mich für diese Religion zu interessieren. Dass sie eine dunklere Hautfarbe hatte und ein, für meine Augen, exotisches Aussehen, interessierte mich nicht. Wir verbrachten die meiste Zeit des halben Jahres zusammen, redeten über Meditation und buddhistische Klöster, schauten uns Frankreich an und machten Erfahrungen mit Männern. Unter anderem die, dass auch dort an der Küste nicht jeder freundlich und respektvoll mit Frauen umging.

Zuletzt habe ich ihre Hochzeitsfotos gesehen und musste schmunzeln. Sie ist auf der anderen Seite der Erde, zusammen mit einem Mann, den sie während des Studiums in Australien kennengelernt hatte, und sieht auf den Fotos so glücklich aus.

Die Hochzeit war indisch angehaucht, sie trug einen Sari und es schien einfach perfekt.


Ich treffe immer wieder Menschen, die mir zeigen, dass der Charakter weitaus wichtiger ist. Denn, was alle diese Frauen gemeinsam haben, ist, dass sie sich für mich geöffnet haben. Dass sie eine Freundschaft mit mir eingegangen sind, mich angenommen haben, so wie ich war. Und ich gern das Selbe für sie tun wollte.


Aber es sind nicht nur Frauen.

Als ich neben dem Schreiben noch einen Vollzeitjob hatte, war ich in einem internationalen Unternehmen angestellt. Wir beschäftigten Mitarbeiter aus allen Nationen und Kulturkreisen und sprachen geschäftlich ausschließlich Englisch miteinander.

Gegen keinen von ihnen würde ich hetzen wollen. Das würde mir nie im Traum einfallen! Sie alle sind Menschen, die versuchen, irgendwie ihren Weg im Leben zu finden. Sie sind offen und freundlich, wollen etwas von der Kultur lernen, in der sie leben und geben bereitwillig im Austausch dafür einen Teil ihrer Kultur preis. Sie suchen Anschluss und verhalten sich respektvoll, wenn sie Freundschaften schließen, weil sie wissen, dass kulturelle Missverständnisse das Vorhaben erschweren.

Solche Menschen arbeiten nicht nur in internationalen Unternehmen.

Man muss nur einmal die Augen aufmachen. Die Leuten im näheren Umfeld zuhören. Einige von uns wären vermutlich überrascht, wie viele iher Nachbarn, Bekannte oder Freunde schwul sind, lesbisch, pansexuell, trans, eine andere Herkunft als (man möge mir den Ausdruck verzeihen) 'reinrassig' deutsch haben oder sonst irgendwie in eine Gruppe passen, die es derzeit noch schwerer hat, als sie es nach all der Zeit haben wollte.

Was wirklich zählt, ist der Charakter. Die Handlungen. Wie gütig man gegenüber denen ist, die schwächer sind als man selbst. Wie viel Liebe man verteilen kann. Es macht mich dieser Tage traurig, zu sehen, in wie viele Richtungen Randgruppen nun erneut kritisiert und unterdrückt werden.

Es macht mich traurig, dass Farbige in Amerika noch immer als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Das sollte so nicht sein und ich selbst kann von der anderen Seite des Teiches kaum etwas tun, außer mit gutem Beispiel voranzugehen, alle gleich zu behandeln und auch meine Mitmenschen zu einem bewusst gleichberechtigterem Umgang aufzurufen.

Versucht, ein wenig mit dem Herzen zu sehen. Macht die Augen zu. Vergesst, woher euer Gegenüber kommt und was er hinter verschlossenen Schlafzimmertüren mag, zu denen ihr wahrscheinlich eh keinen Zugang bekommt.

Hört ihm zu. Hört euch an, was dieser Mensch liebt. Wovor die Person sich fürchtet. Was sie sich ersehnt. Und ihr werdet feststellen, dass wir in diesen Dingen erstaunlich viele Gemeinsamkeiten haben.


PS: Und wer sich von euch noch nicht sicher ist, ob er zu den 'privilegierteren' Menschen gehört: Ich habe ein kleines Youtube-Video angehängt, das es recht eindeutig demonstriert - zumindest, wenn es um soziale Gleichheit geht.


In diesem Sinne!


Liebe Grüße :) eure Jessica

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